Der Grund für die Preisanstiege am Kraftstoffmarkt ist in der schwierigere Versorgungslage vor allem im Südwesten Deutschlands zu finden, die sich durch Niedrigwasser entlang des Rheins und anderen wichtigen Routen der Binnenschifffahrt sowie durch die jüngsten Raffinerieausfälle ergeben hat. Dies hat dazu geführt, dass die Diesel- und Benzinpreise zuletzt kräftig gestiegen sind, obwohl die Preise am Weltölmarkt gesunken waren. Auch im Norden Deutschlands, der bisher weitestgehend von Preissteigerungen an den Tankstellen ausgenommen war, wirkt sich die angespannte, inländische Versorgungslage nun stärker aus und die Preise ziehen nun auch dort spürbar an.

Bisher ist es an den Tankstellen immerhin noch nicht zu größeren Versorgungsausfällen gekommen, doch was die Aussichten für die weitere Preisentwicklung anbelangt, können Autofahrer kurzfristig wohl nicht mit Preisrückgängen an den deutschen Tankstellen rechnen. Sollte sich die Versorgungslage jedoch wieder normalisieren, dann haben die Spritpreise zuletzt ein deutliches Potential für Preisrückgänge aufgebaut.

Nun hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eine Verordnung über die Freigabe von Vorräten des Erdölbevorratungsverbandes veröffentlicht. Was sperrig klingt, besagt im Grunde nur, dass ab heute Teile der strategischen Reserven des Landes verteilt werden dürfen.

 

Im Einzelnen nennt das Ministerium 84.000 Tonnen Benzin, 180.000 Tonnen Diesel und 67.000 Tonnen Kerosin. Es sollen vor Allem Infrastruktureinrichtungen wie Tankstellen oder Flughäfen versorgt werden können. Heizöl ist nicht in der Verordnung enthalten, hier könnte es also weiterhin zu Versorgungsengpässen kommen.

Die Strategischen Reserven sollen eine Versorgung im  Notfall von mindestens 90 Tagen ermöglichen und werden vom Erdölbevorratungsverband verwaltet. Dieser war in den 1970er Jahren im Nachklang der Ölkrise gegründet worden, um für ähnliche Krisensituationen vorbereitet zu sein. Zuletzt waren in Deutschland 2011 nach dem Wegfall Libyens als Erdölexportnation Ölreserven freigegeben worden.